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Kostenloses Unterrichtsmaterial urheberrechtlich verstehen

Kostenloses Unterrichtsmaterial urheberrechtlich verstehen

Wenn Sie schon einmal an einer Fortbildung zum Thema Urheberrecht teilgenommen haben, erinnern Sie sich sicherlich nur noch wenig an die Inhalte der Veranstaltung. Aber Sie wissen mit Sicherheit noch, dass es sich um eine sehr komplexe Materie handelt und dass Vieles nicht geht, wovon Sie jedoch bis dato geglaubt hatten, dass es geht. Was ist damit gemeint?

Das Urheberrecht schützt persönliche geistige Inhalte. Geistig meint aber nicht, dass Ihre Gedanken geschützt sind. Es meint vielmehr, dass Ihre aufgeschriebenen oder auf andere Weise manifestierten Gedanken geschützt sind.

Und zwar 1) in dieser manifesten und durch andere wahrnehmbaren Form; als Text, Bild, Video usw. und gleichsam sind sie 2) automatisch geschützt. Sie müssen keinen Schutz anmelden, damit z.B. ein Arbeitsblatt urheberrechtlichen Schutz genießt. Die Voraussetzung für den Schutz ist, dass der geschaffene Inhalt einzigartig ist, originell und kreativ. Was diesem Kriterium entspricht, erscheint zunächst “Ansichtssache” zu sein und ist in der Tat im Streitfall Gegenstand richterlicher Abwägung.

Differenzieren wir die Frage der sog. “Schutzfähigkeit” eines Inhaltes am Beispiel von zwei Wortfolgen:

„Ja und jetzt, jetzt bring ma wieder Schwung in die Kiste, hey ab geht die Post, let's go, let's fetz, volle Pulle, volle Power, wow, super!"

Der Ausschnitt aus einem Lied der Band “Die Orsons” ist nach dem Urteil des Landgericht München I vom Dez. 2017[1]  nicht urheberrechtlich geschützt. Geschützt ist jedoch dieser Ausspruch Karl Valentins laut eben diesem Landgericht[2]  (2011):

"Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut".

Es wird schnell deutlich, dass die Grenze zwischen einem geschützten Werk und einem ungeschützten Inhalt fließend sind. Verwenden Sie also typische Sätze des Alltags, die von Dritten stammen in Ihrem Material, sind diese in der Regel nicht schützfähig. Das mag sich aber ändern, je länger der verwendete Text ist und je einzigartiger und kreativer! Übrigens sind Lichtbilder also Fotos oder auch Grafiken in der Regel immer geschützt und es gilt:

Alle Rechte vorbehalten.

Für ein Werk, welches urheberrechtlichen Schutz genießt, wird allein der Urheberin (oder dem Urheber) das Recht zuerkannt, über die Verwertung des Werkes zu entscheiden. Den Spruch von Karl Valentin dürfte man bestimmten Verwendungszwecken also nicht ohne Erlaubnis der Rechteinhaber (was in diesem Fall seine Nachfahren sind) zuführen. Für die meisten Nutzungsarten - das heißt: in der Regel - müssen die Urheber vorher um Erlaubnis gefragt werden.

Einen Schritt weiter gegangen bedeutet das auch, dass nicht jedes Buch vollständig als Klassensatz kopiert und an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden kann. Es liegt quasi dieselbe Regel dahinter: Es handelt sich um ein geschütztes Werk und die Urheber haben kein Recht eingeräumt, dass das Buch als Klassensatz bereitgestellt werden kann. Auch aus diesem Grund kaufen die lokalen Medienzentren Lizenzen für Erklärvideos usw.

Es gibt jedoch eine Vielzahl von Ausnahmen für diese Regel. Diese kommt zum einen durch das Urheberrecht selbst. Es erlaubt Ihnen z.B. Privatkopien anzufertigen, d.h. aus einem Buch für Ihre Familienmitglieder etwas heraus zu kopieren oder es erlaubt Ihnen, Zitate anzufertigen, wenn Sie einen Quellenverweis vornehmen und sich sparsam und zweckgebunden beim Zitieren bedienen.

Ausnahmen über Ausnahmen

Neben diesen für alle natürlichen Personen erlaubten Ausnahmen (man spricht von den sog “Schrankenregeln”) gibt es aber auch noch ganz bestimmte Ausnahmen für Personen im Bildungsbereich; konkret an Universitäten, Schulen und anderen öffentlichen Bildungseinrichtungen. Der wichtigste Paragraph hierzu ist der § 60a UrhG. Er regelt beispielsweise, dass Sie zu Zwecken der Veranschaulichung des Unterrichts bis zu 15% aus Monografien kopieren und der Klasse bereitstellen dürfen. Oder auch urheberrechtlich geschützte Bilder, die Sie über eine Online-Suche finden - vorausgesetzt Sie verweisen korrekt auf Urheber und Quelle.

Ausgenommen von diesen Regeln sind aber wiederum Werke, die explizit für den Unterricht geschaffen wurden, wie z.B. Schulbücher oder andere Bildungsmedien. Und jetzt merken Sie, wird es schon komplexer, denn das Urheberrechtsgesetz macht zwar eine Ausnahme zu Gunsten von Herstellern von Bildungsmedien und Schulbuchverlagen, gleichzeitig treffen diese jedoch Regelungen mit den Ländern und anderen Akteuren über - außerhalb des Gesetzes - vertraglich geregelte Kopiererlaubnisse.

Diese sog. Rahmenverträge sind aktuell von 01. Jan. 2019 bis 31. Dez.  2022 gültig und in ihren Regelungen fast identisch denen der im Urheberrechtsgesetz festgelegten Ausnahmen, aber auch das kann sich mit Dez. 2022 wiederum ändern.

Halten wir also kurz fest: Kreative und originelle Werke sind in der Regel geschützt, es gilt “Alle Rechte vorbehalten” - es sei denn, 1) das Urheberrechtsgesetz regelt Ausnahmen in Form von a) allgemeinen Erlaubnissen und b) Erlaubnissen für den Bildungsbereich und 2) die Bildungsmedienanbieter regeln in periodischen Rahmenverträgen Kopierrechte für Bildungseinrichtungen und dort beschäftigten Personen.

Kostenlose freie Bildungsmaterialien bzw. Open Educational Resources (OER)

Vor diesem Hintergrund soll nun der Blick auf kostenlose Unterrichtsmaterialien geworfen werden, vor allem auf jene, die Sie im Internet finden können. Grundsätzlich ist es möglich zwischen drei Typen von kostenlosen Material zu unterscheiden:

1)    Von Verlagen und professionellen, redaktionell arbeitenden Anbietern erzeugte Materialien

Kostenlose Kopiervorlagen von Verlagen in Form von PDF oder mittlerweile auch im MS-Word-Format, finden Sie auf vielen Verlagswebsiten. Diese Unternehmen erlauben Ihnen in der Regel ein Genussrecht und verweisen explizit darauf, dass das Material kostenlos vervielfältigt werden kann. Seltener dürfen Sie es jedoch frei anpassen. Achten Sie entsprechend darauf, dass Sie gefundenes Material nur dann bearbeiten und in bearbeiteter Form weitergeben, wenn Ihnen das Recht dafür eingeräumt wurde. Wird das Material in einem bearbeitbaren Format bereitgestellt (z.B. als docx), kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass Sie es bearbeiten dürfen. Nach § 51 UrhG dürfen Sie aus diesem Material auch zitieren (mit Quellenverweis) und getreu des eingangs erläuterten Sachverhalts auch einfach formulierte Aufgabenstellung daraus übernehmen (ohne einen Quellenhinweis).

2)    Materialien von Kolleginnen und Kollegen die dieses kostenlos unter einer undifferenzierten Lizenz oder einer Jedermann-Lizenz anbieten

Auf einschlägigen Websites für kostenlose Unterrichtsmaterialien lautet es in den Lizenzbestimmungen oder Nutzungsbedingungen häufig etwa so: “Sie dürfen das Material verwenden, wenn Sie Lehrer an einer Schule sind. Wir sind dankbar auf einen Hinweis zu unserer Website, wenn Sie das Material verwenden”. Auch mit einer solchen Bemerkung wird Ihnen das Recht auf Verwendung eingeräumt. Jedoch können Sie hieraus nicht erkennen, ob Sie das Material bearbeiten dürfen und auf welche Art und Weise bzw. ob sich mit dem Wunsch nach einem Quellenverweis nicht letztlich doch eine Pflicht verbindet. Man spricht hierbei von Jedermann-Lizenzen. Es werden Ihnen zahlreiche Rechte eingeräumt und die Urheber der Inhalte geben entsprechend zahlreiche Rechte ab. Nicht selten bleiben Sie über bestimmte Nutzungshandlungen jedoch im Ungewissen und müssen wiederum bei den Plattformbetreibern nachfragen.

3)    Open Educational Resources

Werfen wir zum Abschluss einen Blick auf die sogenannten Open Educational Resources bzw. Offene Lehr-Lerninhalte oder Offene Bildungsmaterialien. Dafür können Sie jetzt fast alles außer Acht lassen, was Sie gerade über Ausnahmeregeln gelesen haben. Das ist praktisch, denn dieses Bildungsmaterial arbeitet gänzlich ohne Ausnahmen, aber dafür mit allgemein verständlichen und weltweit angewendeten Lizenzen, das heißt: Nutzungsbedingungen.

Sie kennen die Wikipedia. Texte und Bilder aus der Wikipedia zu nutzen, ist kostenlos. Denn alle Inhalte dort sind mit einer sog. offenen Lizenz versehen. Eine Lizenz (Einräumung von Nutzungsrechten und -pflichten), die Ihnen erlaubt, die Inhalte kostenlos an jedem Ort einzusetzen, zu kopieren, zu bearbeiten und selbst nach der Bearbeitung wieder zu veröffentlichen. Die in der Wikipedia verwendeten Lizenzen heißen: Creative Commons Lizenzen. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen. Das bedeutet, jede der Lizenzen behält nur wenige Rechte vor. Alle anderen Rechte werden vom Urheber abgegeben. Die häufigste Bedingung ist die Angabe eines Lizenzhinweises, welcher den Namen des Urhebers, den Fundort des Werks im Web, den Namen der Lizenz und den Link zum Lizenztext, sowie den Titel des Werks umfasst.

Offene Bildungsmaterialien sind also nichts anderes als Bildungsmaterialien unter offener Lizenz. Diese räumen Ihnen also stets das Recht ein, dass auf diese Weise lizenzierte Material oder den Inhalt entsprechend der Lizenz frei zu verwenden. Informieren Sie sich allgemein zu diesem Thema auf der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Plattform: open-educational-resources.de.

Suchen und finden Sie Open Educational Resources z.B. auf der Plattform tutory.de. Dies ist ein Online-Editor für freie Bildungsmaterialien, mit dem Sie nicht nur OER sondern auch unveröffentlichte eigene Unterrichtsinhalte im Handumdrehen per Drag&Drop herstellen können. Tutory ist eine Anwendung im Browser und muss demnach nicht installiert werden. Die kostenpflichtigen Angebote können übrigens auch hier im co.Tec-Shop erworben werden. Registrieren und Ausprobieren ist jedoch jederzeit kostenlos möglich.

Zur Shop-Seite:  www.cotec.de/tutory

 
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